Kommunikationsstile

Auszüge aus „Lebensszenarien. Von ethischen Gefühlen zu sensorischen Wünschen“

Herausgegeben von Victor Gulenko in „Sozionik, Mentologie und Psychologie der Persönlichkeit“, 1996, № 1.

1. Aus dem Privatleben der Soziotypen

Frühere Beobachtungen des persönlichen Lebens verschiedener Soziotypen, die während der Konsultationen gewonnen wurden, erlauben mir einige Verallgemeinerungen. In diesem Artikel werde ich zeigen, wie es möglich ist, die Tendenz der Entwicklung von Beziehungen in einem Paar vorherzusagen, wenn ihre Soziotypen bekannt sind. Es sollte sofort gesagt werden, dass eine spezifische Prognose mit den Methoden der traditionellen Sozionik unmöglich ist.

Die Praxiserfahrung unseres Labors spricht dafür, dass man für die Erforschung der Menschenbeziehungen auf kurzen kommunikativen Distanzen tiefere Ebenen der Differenzierung braucht. Wenn man jedoch in die erotische Seite der Beziehungen zwischen Menschen eintaucht, ist es möglich, einerseits Subjekte der Gefühle und andererseits ihre Objekte festzustellen.

Die Gefühlssubjekte – Sie sind Quellen von Sympathien und Antipathien, die ihre subjektive Einschätzung eines anderen Menschen für richtig halten. Dazu gehören Menschen, die sich ihrer emotionalen Wahl sicher sind. Da sie Gefühle im Überfluss haben, fühlen sie sich bewusst zu denen hingezogen, die ihre Erlebnisse teilen könnten. Im Privatleben ist es für sie wichtiger, selbst zu lieben, als geliebt zu werden. Genauer gesagt, hoffen sie darauf, ein Gegengefühl bei denen hervorzurufen, zu denen sie sich subjektiv hingezogen fühlen. Insbesondere bei den Gefühlsubjekten findet man am wahrscheinlichsten eine einseitige, unerwiderte Liebe vor.

Die Gefühlsobjekte – Sie sind diejenigen, die nur als Reaktion auf die Gefühle anderer entflammen. Auf jeden Fall zeigen sie ihre Gefühle nicht zuerst, weil sie sich ihrer emotionalen Wahl (nicht mit der sexuellen zu verwechseln!) nicht sicher sind. Deshalb handeln die Gefühlsobjekte auf die einfachste Weise: sie warten auf irgendein Zeichen, dass sie begehrt sind. Sympathien erwidern sie in der Regel mit Sympathien und Antipathien mit Antipathien.

Die Gefühlssubjekte sind aus Sicht der Sozionik Ethiker, die mehr mit dem Herz als mit der Vernunft leben. Die Gefühlsobjekte sind Logiker, die mehr mit der Vernunft als mit den Herzensregungen leben. Die Ethiker wählen also als Objekte ihrer Gefühle denjenigen, den sie mögen; die Logiker wählen dagegen in der Regel denjenigen, von dem sie gemocht werden.

Hinweis. Ich weise darauf hin, dass es nicht um Sex geht, sondern um das ethisch-emotionale Verhalten. Als Sympathie verstehe ich in diesem Zusammenhang eher die seelische Neigung als das fleischliche Verlangen.

Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass die Kommunikation des Menschen nicht auf sein Privatleben beschränkt ist. In seiner Biografie gibt es außer Familie und Freunden noch einen zweiten, nicht weniger bedeutenden Teil – Arbeitskollegen und Geschäftspartner. Und hier sehen wir genau das Gegenteil. Ein Logiker widmet der Arbeit stets mehr Kräfte und Aufmerksamkeit als ein Ethiker. Diese Behauptung sollte man nicht so verstehen, dass der Erste mehr Zeit in der Arbeit verbringt, als der Zweite. Denn in der Arbeit kann man neben objektiv notwendigen Beschäftigungen auch seine privaten kommunikativen Bedürfnisse befriedigen!

2. Die einen warten, die anderen handeln

Die Situation wird durch die Tatsache kompliziert, dass diese beiden Kategorien von Menschen ihre innere Motivation – Arbeit auf Kosten des Privatlebens oder umgekehrt – auf unterschiedliche Weise verwirklichen. Hier kann man auch zwei Extreme aufzeigen, zwischen denen die Menschen schwanken.

Die erste – eine abwartende Haltung. Sie wird von den Typen eingenommen, die geneigt sind, fremde Angebote zur Prüfung anzunehmen. Bewusstes Abwarten kann auf Geschäftsangebote gerichtet sein, wenn es Logiker sind, oder auf Angebote privaten Charakters, wenn es sich um Ethiker handelt. Jedenfalls ist es die Position der Introvertierten – der Typen, die mehr annehmen, als sie abgeben, und wenn sie abgeben, dann hauptsächlich als Antwort auf einen äußerlichen Einfluss.

Die gegensätzliche Position – expansiv, erweiternd. Ihre Vertreter ergreifen die Initiative selbst, ohne abzuwarten, bis es die anderen machen. Ethiker mit solcher Position sind wiederum, initiativ im Privatleben, und Logiker in objektiven Angelegenheiten. Dieses Verhalten ist typisch für Extrovertierte – diejenigen Typen, die mehr wörtliche oder andere Information abgeben, als sie von Anderen annehmen.

Und jetzt – ein paar Bemerkungen über Kontaktfreudigkeit. Der Exkurs zu diesem Thema ist deswegen notwendig, weil der Begriff von Extra- und Introversion in der Sozionik ganz anders als in der traditionellen Psychologie interpretiert wird. Unter Psychologen bildete sich eine feste Meinung, dass Extravertierte unbedingt kontaktfreudige und Introvertierte – verschlossene Menschen sind. Wenn es aber so einfach ist, warum hat dann Jung neue Begriffe eingeführt?

Es gibt verschiedene Arten der Kommunikation. Wir müssen die formelle und informelle Kommunikation klar trennen. Ethische Extravertierte, wenn es reine Typen sind, sind tatsächlich in jeder Situation auf Menschenkontakte orientiert.  Aber auch viele ethische Introvertierte sind ziemlich kontaktfreudig. Das ist nicht verwunderlich, denn sie fühlen sich gerade in einer ungezwungenen Atmosphäre gut, wo das subjektive Gefühl die Hauptrolle spielt.

Die logischen Typen, auch wenn sie extravertiert sind, können unter diesen Bedingungen ganz kontaktscheu sein, denn hier haben sie keine Orientierungspunkte und werden deshalb nur zu Objekten von fremden Sympathien und Antipathien. Doch in der Arbeit sehen wir gerade das Gegenteil. Aktive Subjekte des Handelns sind extravertierte Logiker. Bei der formellen Kommunikation ist ihre Ausrichtung auf die äußere sachliche Umgebung maximal. Was die Kontaktfreudigkeit nicht mit Freunden, sondern mit Menschen als Vollzieher von amtlichen Pflichten anbetrifft, so sind logische Extravertierte ethischen weit überlegen.

3. Arten der Kommunikation

1. Extravertierte Ethiker, oder Leidenschaftliche

Die Gruppe des leidenschaftlichen Kommunikationsstils besteht aus ethisch extrovertierten Typen (ExFx): ENFp (IEE), ESFp (SEE), ENFj (EIE) und ESFj (ESE).

Diese Gruppe ist am sichersten in ihren Einstellungen gegenüber anderen Menschen und hat keine Angst davor, offen über ihre Gefühle, Vorlieben und Abneigungen und ethische Bewertungen zu sprechen. Diese Soziotypen sind die kontaktfreudigsten in informellem Kontakt. Ihre Position bei der Kommunikation ist eine aktive Suche nach Gefühlen. Sie bringen den Menschen aus ihrer Umgebung Emotionen entgegen. Für ihr Lebensszenario ist es bezeichnend, dass sie im Durchschnitt früher als andere heiraten. Ebenso lassen sie sich häufiger scheiden, als Vertreter anderer Soziotypen. Kommunikation verstehen sie als einen Austausch von Emotionen, als eigenartiges „Schwimmen“ in der stürmischen Flut des Lebens.

Die Bezeichnung dieser Gruppe ist ER: im Ich-Block ist bei diesen vier Typen entweder die Emotionsethik E die erste Funktion, oder die Beziehungsethik R als zweite Funktion vorhanden.

2. Introvertierte Logiker, oder Kaltblütige

Die kaltblütige Kommunikationsstilgruppe besteht aus logischen introvertierten Typen (IxTx): INTp (ILI), ISTp (SLI), INTj (LII) und ISTj (LSI).

Menschen dieser Soziotypen sind nicht überzeugt von ihren Gefühlen und verhalten sich in ihren emotionalen Darstellungen zurückhaltend. Diese Typen sind die am wenigsten geselligsten in informellem Kontakt. Diese Gruppe der Kommunikation steht im Gegensatz zu den Leidenschaftlichen. Ihre Position bei der informellen Kommunikation ist passives Warten auf Gefühle. Die Kommunikation dieser Typen vollzieht sich nach etablierten Schemen und Normen. Ihre Lebensszenarien zeichnen sich durch die spätesten Eheschließungen und das Fehlen von nochmaligen Ehen aus. Ihre Ehen gelingen in der Regel am wenigsten. Die Kommunikation verstehen sie als Austausch von fehlenden Informationen erklärenden Charakters. Solche Kommunikation würde nichts verlieren, wenn sie nur in Schriftform vollzogen würde.

Diese Gruppe bezeichnen wir als LP: im Ich-Block bei diesen Typen ist entweder die Strukturlogik L als erste Funktion, oder die Handlungslogik P als zweite Funktion vorhanden.

Zwischen diesen zwei Extremen der Kommunikation befinden sich zwei mittlere Arten, die in den Rahmen der von der Gesellschaft abgefassten Stereotypen des Verhaltens von Personen des verschiedenen Geschlechts hineinpassen.

3. Extravertierte Logiker, oder Geschäftliche – männliches Stereotyp der Kommunikation

Die geschäftliche Gruppe besteht aus logisch extrovertierten Typen (ExTx): ENTj (LIE), ESTj (LSE), ESTp (SLE) und ENTp (ILE).

Diese Soziotypen nehmen Kontakt zu anderen über ihre Aktivitäten auf und lenken Emotionen bei ihrer Arbeit und ihren Engagements. Ihre Position kann man „aktives Warten auf Gefühle“ nennen. Geschäftliche Soziotypen rechnen damit, ihren Geliebten oder ihre Geliebte inmitten einer Reihe von Beschäftigungen zu treffen. Man schreibt dem Standardbild des echten Mannes eine aktive Lebensposition zu, jedoch nicht im Bereich der Gefühle. In der romantischen Literatur lernt der Held seine künftige Braut kennen, indem er ihr aus der Not hilft. Kommunikation verstehen diese Soziotypen als geschäftliche Zusammenarbeit.

Diese Gruppe wird als PL bezeichnet: in ihrem Ich-Block tritt entweder die Handlungslogik P als erste Funktion, oder die Strukturlogik L als zweite Funktion auf.

4. Introvertierte Ethiker, oder Warmherzige – weibliches Stereotyp der Kommunikation

Die warmherzige Gruppe besteht aus ethischen introvertierten Typen (IxFx): INFp (IEI), ISFp (SEI), INFj (EII) und ISFj (ESI).

Diese Position kann man als passive Suche nach Gefühlen bezeichnen. Als Ethiker wählen die Warmherzigen Soziotypen selbstbewusst einen ihnen imponierenden Partner, aber als Introvertierte drücken sie ihre Bereitschaft zu ethischen Kontakten aus, indem sie nur indirekte Signale ausstrahlen. Gerade solches Verhalten verlangen traditionelle Gesellschaften von der Frau in der Zeit vor der Ehe. Diese Kategorie der Soziotypen ist am meisten dem traditionellen Szenario mit stereotyper Verteilung von männlichen und weiblichen Pflichten zugeneigt: der Mann ist ein Ernährer der Familie und ihr Beschützer, die Frau eine Hüterin des Hausherds und Erzieherin der Kinder. Die Kommunikation wird als Austausch von Zeichen der seelischen Zuneigung verstanden.

Diese Gruppe hat die Bezeichnung RE: bei den Soziotypen dieser Gruppe ist im Ich-Block entweder die Beziehungsethik R als erste Funktion, oder die Emotionsethik E als zweite Funktion vorhanden.

4. Günstige Kommunikationsszenarien

4.1. Bei der Analyse der Beziehungen zwischen den Gruppen werde ich mich auf folgende, mir aus der Praxis sozionischer Beobachtungen und Konsultationen bekannte Lebenstendenzen stützen:

– Der ethische Typ fühlt sich instinktiv zum logischen Typ hingezogen und umgekehrt. Die psychologische Atmosphäre in einem rein logischen Paar erweist sich als zu trocken und langweilig und in einem rein ethischen Paar – sehr hektisch und überladen mit Emotionen. Sekundär in der Stärke ist die Anziehung zwischen zwei logischen Typen möglich, wenn einer von ihnen über verstärkte Emotionalität verfügt, oder zwischen zwei ethischen Typen, wenn einer von ihnen verstärkte logische Neigungen besitzt.

– Der Introvertierte fühlt sich instinktiv zum Extravertierten hingezogen und umgekehrt, obwohl diese Anziehungskraft nicht so stark wie im ersten Fall ist. Extravertierte erobern, und Introvertierte lassen sich erobern. Die friedliche Koexistenz von zwei Extravertierten ist nur dann möglich, wenn sie die Sphären ihrer Aktivität künstlich abgrenzen. Jedoch entsteht in einem solchen Paar fast immer ein Kampf um die Macht, und der Verlierer fühlt sich eingeengt. Der Bund von zwei Introvertierten kann dann funktionieren, wenn einer von ihnen eine Rolle des in der äußeren Umwelt aktiven Subjekts auf sich nimmt. Ohne diese spezielle Maßnahme ist ein solches Paar praktisch zur Selbstisolation verurteilt.

4.2. Bei der Durchführung sozionischer Konsultationen zur Harmonisierung der zwischenmenschlichen Beziehungen in einem Paar wird empfohlen, die folgenden ermittelten Szenarios der intertypischen Dynamik zu berücksichtigen.

1. Der Geschäftliche (PL) und der Warmherzige (RE)

Dies ist eine gelungene Kombination von zwei Arten der Kommunikation, die eine Homöostase eines selbsterhaltenden gleichgewichtigen Zustands sowohl innerhalb des Systems, als auch bei der Interaktion mit der Umwelt erreicht.

Bei der Entstehung von internen Meinungsverschiedenheiten zwischen solchen Partnern wirkt der Geschäftliche als Extravertierter auf den Warmherzigen aktiv ein, und dieser lässt sich ohne besonderen Widerstand von ihm beeinflussen. Dank der Fähigkeit des Warmherzigen, Streitigkeiten zu schlichten, wird das Gleichgewicht wiederhergestellt. Wenn in einem solchem Paar Konflikte mit der Umgebung entstehen, macht sich der Warmherzige viel mehr Sorgen darüber, da er ein Ethiker ist. Jedoch legt er wegen seiner Introversion einfach das Problem dem Geschäftlichen dar, der entsprechende Maßnahmen trifft. Im Endeffekt erweist sich das Paar auch gegen einen destruktiven Einfluss von außen als stabil.

2. Der Leidenschaftliche (ER) und der Kaltblütige (LP)

Noch eine gelungene Kombination der Kommunikation, die die natürliche Selbstregulierung im Paar gewährleisten kann.

Das Szenario entwickelt sich auf folgende Weise:

Bei der Entstehung interner Konflikte beginnt der Leidenschaftliche, auf den Kaltblütigen aus der Position der extravertierten Expansion einzuwirken, mit dem Ziel, dessen Verhalten zu seinen Gunsten zu ändern. Der Kaltblütige als wenig emotionaler Typ gibt diesen Versuchen allerdings nicht nach. Sein Verhalten stellt sich jedoch mit der Zeit um, einfach weil seine eigene Bewertung der Situation geändert wird. Der Leidenschaftliche ist damit zufrieden, sein Eifer ist zu jener Zeit auch schon abgekühlt, und der Konflikt erlischt auf natürliche Weise.

Im Fall einer äußeren Aggression neigt der Kaltblütige dazu, sie zu ignorieren und sich mit seiner Arbeit zu beschäftigen, als sei nichts passiert. Eine solche zurückhaltende Position imponiert dem Leidenschaftlichen ziemlich, da sie ihm erlaubt, die entstandenen Probleme ethischen Charakters selbstständig zu bewältigen.

Innerhalb der beschriebenen Arten der Interaktionen verbergen sich zusammengefasst 4 intertypische Beziehungen. Die gelungensten Kombinationen (wenn die Typen rein sind!) sind die dualen Beziehungen von LSE-EII, ILE-SEI, SLE-IEI, und LIE-ESI. Dann folgen halbduale, Revision- und Konfliktbeziehungen. Sogar Konfliktbeziehungen verfügen über eine Stabilität bei einer Entfernung auf sichere Distanz. Duale Beziehungen gewährleisten Homöostase nur auf einer kurzen kommunikativen Distanz.

4.3. Die zwei nächsten Arten der Interaktionen gewährleisten die psychologische Homöostase nur teilweise. Die Verträglichkeit zwischen ihnen nimmt mittelmäßige Werte an. Als zerstörend erweisen sich entweder äußere destruktive Einflüsse, oder interne Widersprüche.

3. Der Geschäftliche (PL) und der Kaltblütige (LP)

Die Ereignisse entwickeln sich in der Regel nach folgendem Szenario:

Die Beiden in einem solchen Paar sind gegenüber ethischen Einwirkungen des Partners ziemlich gleichgültig. Der Geschäftliche versucht, den Kaltblütigen für seine Ziele zu benutzen, aber seine Versuche bleiben erfolglos. Mit der Zeit, nach einer Reihe von Rückschlägen, erlischt das Streben des Geschäftlichen danach, die Situation nach eigenem Interesse zu ändern, und die Partner entfremden sich von einander. Auf diese Weise wird dennoch ein inneres Gleichgewicht erreicht.

Bei der Interaktion mit der Umgebung erweist sich das Paar als unempfindlich. Jeder beschäftigt sich mit seiner Sache. Wenn aber die äußeren Einwirkungen so stark sind, dass sie sogar wenig aktive ethische Funktionen der Partner aktivieren können, entstehen zwischen ihnen Streitigkeiten. Ein gestörtes Gleichgewicht mit der Umwelt lässt sich nur sehr schwer wiederherstellen.

4. Der Leidenschaftliche (ER) und der Warmherzige (RE)

Die Besonderheiten der gegenseitigen Anpassung sind hier so: jeder im Paar, da die beiden Ethiker sind, spürt gut, dass der zwischen ihnen entstandene Konflikt sich sehr negativ auf die Lebenstätigkeit des anderen auswirkt. Jedoch wird nur der Warmherzige sich Mühe geben, sein eigenes Verhalten zu ändern. Der Leidenschaftliche wird verlangen, dass der Partner sein Verhalten zu ändern hat. Da der Warmherzige nachgibt, wird der Frieden nach einer Reihe emotionaler Ausbrüche wiederhergestellt.

Wenn in diesem Paar Probleme mit der Umgebung entstehen, wird das Szenario sofort dramatisiert. Sie sind dazu geneigt, eine Verschärfung der Außenbeziehungen auf eigene Konflikte zu übertragen. Jede Besprechung von äußeren Ereignissen führt unter diesen Bedingungen leicht zum Streit. Die Treibkraft eines solchen Szenarios ist der Überfluss an Emotionalität. Das Gleichgewicht in einem solchen Paar ist instabil gegen innere Widersprüche.

5. Ungünstige Kommunikationsszenarien

1. Der Leidenschaftliche (ER) und der Geschäftliche (PL)

Dieses Lebensszenario ist wohl das dynamischste und widersprüchlichste. Da die beiden extravertiert sind, strebt jeder danach, das Verhalten des Partners zu ändern. Beide sind aktiv und wollen sich nicht dem anderen anpassen. Der Geschäftliche sucht sich ein Ventil in noch mehr Beschäftigungen, und der Leidenschaftliche strebt danach, klärende Streitgespräche in der sich verschlechternden Beziehung zu führen. Der Konflikt wird deswegen noch mehr aufgebläht.

In den Interaktionen mit der Umgebung versuchen die beiden aktiv auf die Umwelt einzuwirken, und beginnen miteinander um die Führungsrolle zu konkurrieren. Dabei spielt der Geschäftliche eine aktivere Rolle in diesen Auseinadersetzungen, da er glaubt, dass der Leidenschaftliche mit seiner emotionalen Ungehaltenheit der gemeinsamen Sache schadet. Das Paar erweist sich als unverträglich: es fällt ihm sehr schwer, eine Stabilität sowohl gegen innere als auch gegen äußere negative Faktoren zu erreichen.

2. Der Warmherzige (RE) und der Kaltblütige (LP)

Ein Lebensszenario, das von inneren Widersprüchen und Schwankungen durchdrungen ist. Wegen der Introversion strebt jeder beim Entstehen der Meinungsverschiedenheiten danach, vor allem sich selbst zu ändern. Aber die Reaktion des Warmherzigen ist schneller und leichter bemerkbar. Deshalb beginnt er zu glauben, dass er sich für den Frieden im Paar aufopfert. Der Kaltblütige scheint diese friedensstiftenden Handlungen gar nicht zu bemerken. Es wird der Eindruck geschaffen, dass er die Selbstaufopferung des Warmherzigen nicht schätzt. Das ruft Gereiztheit in ihrer Beziehung hervor.

Wegen derselben Introversion sind sie nicht im Stande, die Umgebung in eine für sie günstige Richtung zu ändern. Deshalb können äußere negative Einwirkungen ein solches Paar leicht zerstören. Dabei erweist sich der Warmherzige in dieser Beziehung als der Labilere, da er eine Neigung zu einer feinen Wahrnehmung von äußeren Sympathien und Antipathien hat. Folglich verfügt ein solches Paar über keine effektiven Mechanismen zur Aufrechterhaltung der Homöostase.

3. Zwei Geschäftliche (PL)

Die beiden streben danach, auf den Partner für das Erreichen eigener Ziele einzuwirken, aber beide sind gegen solche Einwirkungen unempfindlich. Infolgedessen brechen im Paar oft kurze, aber intensive Konflikte aus.

Beide versuchen, die Umgebung zu beeinflussen, können aber ihre Handlungen nicht richtig abstimmen. Jeder macht alles dafür, um den Gang der Ereignisse zu seinen Gunsten zu wenden. Die Verträglichkeit ist nur dann befriedigend, wenn beide in geschlossener Front gegen äußeren Konkurrenten auftreten.

4. Zwei Leidenschaftliche (ER)

In einem solchen Paar mit hoher Kontaktfreudigkeit sind kleinliche gegenseitige Beschuldigungen nicht zu vermeiden. Jeder wirkt extravertiert auf den anderen ein, aber niemand wird nachgeben. Diesen Partnern scheint, dass der andere ihn nicht versteht, deshalb entsteht ein starker Wunsch, klärende Beziehungsgespräche zu führen. Aber die Versuche, seinen Standpunkt gegenüber dem Partner zu begründen, bleiben in der Regel erfolglos. Deswegen schwelt der Konflikt noch lange weiter.

In Kontakten mit der Umgebung konkurrieren die beiden um emotionale Einflüsse. Ein solches Paar ist leicht zu entzweien, da ihr emotionaler Überfluss irgendeine Entspannung finden muss. Im Fall einer Verteidigung von gegenseitigen Interessen gegen äußere Eingriffe fällt die Abstimmung der gemeinsamen Handlungen schwer. Das Erreichen der gleichgewichtigen Kommunikation im Paar ist auf Dauer nicht möglich.

5. Zwei Warmherzige (RE)

Jeder in einem solchen Paar gibt sich alle mögliche Mühe, um Konflikte zu vermeiden. Das stabilisiert das Paar als Ganzes. Wenn aber doch ein Konflikt zwischen ihnen entsteht, so sieht jeder seine Ursache in den Handlungen des anderen. Das vermindert die Gegenseitigkeit in der Beziehung. Das Paar findet zwar Kompromisslösungen, ist aber empfindlich und nicht offen.

Die äußeren Probleme versucht jeder unabhängig zu lösen, ohne die Hilfe des anderen heranzuziehen, da er schnell merkt, dass der Nachdruck zu aktiven Handlungen zu nichts führt. Die Folge einer solchen Lage ist eine gegenseitige Enttäuschung hinsichtlich der Konkurrenzfähigkeit von einander.

Jedoch kann das Vorhandensein eines gemeinsamen annehmbaren Ziels das „warmherzige“ Paar ziemlich stark vereinigen. Diese Aufgabe muss im Aufrechterhalten einer warmen psychologischen Atmosphäre und der entstandenen Anhänglichkeiten im Rahmen einer für sie bedeutsamen Minigruppe bestehen. Zum Beispiel, die Erziehung von Kindern.

6. Zwei Kaltblütige (LP)

Ein eher nachteiliges Lebensszenario wegen einem Mangel an Aktivität und seelischer Wärme.

Jeder Partner ist gegen Bemühungen des anderen unempfindlich und reagiert auf seine Handlungen mit ziemlicher Verspätung. Obwohl das Paar nicht in einen Konflikt gerät, wirkt es deswegen aber faktisch nicht positiv zusammen. Der eine lässt den anderen in Ruhe und ist damit zufrieden, dass man ihn auch nicht stört. Ein entstehender Konflikt erlischt schnell, da niemand „Öl ins Feuer gießt“.

Bei der Veränderung von äußeren Umständen bemüht sich jeder darum, sich selbständig an die Änderungen anzupassen. Man hilft einander sehr wenig. Deshalb bildet sich im Paar eine Atmosphäre der Entfremdung. Die Verträglichkeit kann man mit folgendem vereinigendem Ziel erhöhen: gemeinsame Erarbeitung von Schemen, Methoden, Anweisungen, Prognosen.